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Kulturbotschafter am Schrein
Adolf Fredrik's Flickkör erfreute mit lupenreiner Intonation
Der Mädchenchor am Kölner Dom, den Domkantor Oliver Sperling leitet, ist noch jung neben dem männlichen Pendant, dem Kölner Domchor. Die schon mehrfach ausgezeichneten Kölnerinnen erwiesen sich beim jüngsten Konzert der Reihe „Geistliche Musik am Dreikönigenschrein“ als kompetente Partner für einen Star unter Europas Schul-Mädchenchören, den „Adolf Fredrik's Flickkör Stockholm“. Er gewinnt bei internationalen Wettbewerben und wurde als „Kulturbotschafter der Europäischen Union“ geehrt.
Den Ruf verteidigten jetzt 37 Schwedinnen, zwölf bis fünfzehn Jahre alt. Sie hatten für Domkonzerte in Köln und Trier A-cappella-Sätze von Gustav Holst bis Karin Rehnqvist einstudiert, Psalmvertonungen des 20. Jahrhunderts, Volkslieder mit uralten Ruftechniken und spritzig arrangierte Spirituals. Kölns Domorganist Winfried Bönig improvisierte zu einem Lied aus dem kleinen Ort Mora. Der Chor und seine guten Solistinnen entzückten mit lupenreiner Intonation, leuchtendem Klang und bewundernswerter Selbständigkeit. Der Raum am Schrein ist knifflig zu bespielen, trotzdem konnten sich die Mädchen Auftritte in weit voneinander getrennten Teilchören leisten.
Sie waren ihrer Sache sicher, obwohl der ihnen vertraute Leiter Bo Johansson erkrankt war. Sein junger Kollege Christoffer Holgersson vertrat ihn bestens. Er hat selbst die für ihren Musikunterricht berühmte Adolf Fredrik's Schule besucht und leitet dort heute den Knabenchor. Es handelt sich um eine Grundschule, die in Schweden neun Jahre umfasst, nicht bloß vier wie bei uns. Da können Pädagogen viel aufbauen, zumal eine Kapazität wie Bo Johansson, der 2001 als Schwedens „Kinderchorleiter des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Eine solche Auszeichnung erkennt den Wert des Chorsingens offiziell an, sie dürfte Lehrer mächtig anspornen.
— Marianne Kierspel, Kölner Stadt-Anzeiger,
29. Januar 2007
Höchste Gesangskultur
Schwedischer Mädchenchor begeistert Trierer Publikum
Zur Einweihung des Neubaus der Bischöflichen Grundschule St Paulin und der Domsingschule gab der Adolf Fredriks Mädchenchor aus Stockholm unter der Leitung von Bo Johansson ein Festkonzert im Dom. Die Zuhörer erlebten Chorgesang in Weltklasseformat.
Die Stockholmer Adolf-Fredriks-Schule mit ihrem chormusikalischen Förderschwerpunkt verfügt über sage und schreibe 18 Kinder- und Jugendchöre. Unter diesen nimmt der 1973 gegründete Mädchenchor mit seinen derzeit 40 jungen Sängerinnen eine Ausnahmestellung ein.
Was Bo Johansson über die Jahre und Jahrzehnte mit diesem Ensemble erarbeitet und erreicht hat, ist selbst im chorisch gut versorgten Trier ohne Parallele.
Eingeleitet wurde das Festkonzert mit einer Orgelimprovisation über eine Choralmelodie aus Schweden. Das Stück gab Domorganist Josef Still die Gelegenheit, alle Register seines Könnens und des herrlichen Instrumentes zu ziehen: von gewaltigen, brausenden bis zu zarten, lyrischen Klangen.
Zur einstimmig gesungenen Choralmelodie trät dann der Mädchenchor ein und stellte sich lm Altarraum auf. Schon dabei, und erst recht im ersten mehrstimmigen Stück ”Make a Joyful Noise" von Claus Vestergaard Jensen, demonstrierten die Gaste alle Merkmale ihrer überragenden Qualität: wunderbar klarer, transparenter und ausgewogener Klang, lupenreine Intonation, meisterhafte Atem- und Phrasierungskunst. Beeindruckend die strahlenden, nie forciert klingenden Soprane.
Die weiteren Chorbeiträge stammten uberwiegend ebenfalls aus der Feder schwedischer Komponisten. Es fällt schwer, aus einem Programm voller gesanglicher Höhepunkte einen herauszugreifen.
Die Qualität von Musikern zeigt sich aber nicht zuletzt an vermeintlich einfachen Stücken, und ein solcher Kandidat war das wunderbare ”Kyrie" von Hugo Hammarström. Der Mädchenchor sang übrigens die meisten Werke auswendig. Bei einigen Stücken wurde das Ensemble geteilt, rund zehn Sängerinnen stellten sich Kirchenschiff auf und sangen von dort aus ganz ohne oder mit nur minimal Zeichengebung des Dirigenten.
Mit zwei weiteren Orgelwerken bewies Josef Still, dass sich scheinbar weit voneinander Entferntes, wie skandinavische und frankische Musik, durchaus miteinander verträgt. Geradezu berauschend wirkte das virtuos drängende ”Scherzo symphonique” von Pierre Cochereau.
Spontanen Applaus für den Mädchenchor gab es nach dem Spiritual ”Babylon's falling”, zu dem die Sängerinnen rhythmisch mit den Fingern schnipsten.
Und der Applaus am Ende zeugte noch einmal der grossen Begeisterung des Publikums, obwohl die beiden abschliessenden Stücke der 1957 geborenen Karin Rehnqvist zu den schwierigeren des Abends gehörten.
— Trierischer Volksfreund, 29. Januar 2007
[bec/bru]
Rezensionen – Konserten, Köln und Trier
Januar 2007